
Slow German
In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerm...
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| 10/6/26 | Auf Wohnungssuche in Deutschland – SG 325 | In Berlin wurde gerade gewählt. Sehr stark war dabei die Partei „Die Linke“. Ihr Hauptthema im Wahlkampf war bezahlbares Wohnen. Die Linke möchte Wohnungen von großen Konzernen „vergesellschaften“. Das bedeutet, dass sozusagen Berlin den Konzernen die Wohnungen abkaufen würde. Sie würden dann der Gesellschaft, also uns allen, gehören. Jemand hat ausgerechnet, dass das bis zu 36 Milliarden Euro kosten würde. Und warum wollen die Berlinerinnen und Berliner das? Weil sie heute, im Jahr 2026, ungefähr 70 Prozent mehr Miete bezahlen müssen als vor zehn Jahren. Obwohl sie nicht so viel mehr verdienen und auch andere Kosten gestiegen sind. Grund genug, dass wir heute mal über die Wohnungssuche in Deutschland sprechen. Wer heute in Deutschland eine Wohnung sucht, braucht oft viel Geduld. Besonders in großen Städten wie München, Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist es schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Viele Menschen bewerben sich gleichzeitig auf dieselbe Wohnung. Manchmal kommen mehr als hundert Interessenten zu einer einzigen Besichtigung. Deshalb wird häufig gefragt: Warum ist Wohnen in Deutschland so teuer? Früher war die Situation anders. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland eine große Wohnungsnot. Viele Häuser waren zerstört worden, und Millionen Menschen hatten keine Wohnung mehr. In den 1950er- und 1960er-Jahren begann deshalb ein umfangreicher Wohnungsbau. Der Staat unterstützte den Bau neuer Wohnungen. In vielen Städten entstanden ganze Wohnviertel. Damals ging es vor allem darum, möglichst schnell genügend Wohnraum zu schaffen. In den folgenden Jahrzehnten verbesserte sich die Lage. Neue Wohnungen wurden gebaut, und viele Familien konnten sich ein eigenes Haus leisten. Gleichzeitig lebten die Menschen oft anders als heute. Familien waren größer, und mehrere Kinder teilten sich häufig ein Zimmer. Heute wohnen mehr Menschen allein oder zu zweit. Dadurch werden mehr Wohnungen benötigt, obwohl die Bevölkerung nicht im gleichen Maß wächst. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass Deutschland ein Land mit vielen Mietern ist. In vielen anderen europäischen Ländern besitzen deutlich mehr Menschen ihre eigene Wohnung oder ihr eigenes Haus. In Deutschland lebt dagegen mehr als die Hälfte der Bevölkerung zur Miete. Deshalb spielt der Mietmarkt eine besonders große Rolle. Seit den 1990er-Jahren sind viele Städte für neue Bewohner attraktiver geworden. Universitäten wachsen, Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, und immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte. Dort gibt es oft bessere Chancen auf einen Job, ein Studium oder kulturelle Angebote. Gleichzeitig entstehen aber nicht immer genügend neue Wohnungen. Ich merke das hier in München schon seit vielen Jahren. In München haben sich Firmen wie Google und Apple niedergelassen. Bei Google sind das 1500 neue Arbeitsplätze. All diese Menschen brauchen Wohnungen. Sie verdienen gut, also steigen auch die Mieten. Für die Menschen mit weniger Geld wird es also schwieriger, bezahlbare Wohnungen in der Innenstadt zu finden. Wenn viele Menschen eine Wohnung suchen, das Angebot aber klein ist, steigen die Preise. Dieses einfache Prinzip kennt man auch aus anderen Bereichen der Wirtschaft. Besonders deutlich sieht man es in beliebten Stadtteilen. Dort sind Wohnungen oft schnell vermietet, und die Mieten steigen weiter. Auch die Baukosten haben sich verändert. Heute sind Materialien wie Holz, Stahl oder Beton häufig teurer als früher. Außerdem gelten strengere Vorschriften für Energieeffizienz, Brandschutz und Schallschutz. Diese Regeln haben viele Vorteile, machen den Bau neuer Häuser aber oft teurer. Hinzu kommen höhere Kosten für Grundstücke, Handwerker und Kredite. Besonders seit dem starken Anstieg der Zinsen in den Jahren 2022 und 2023 ist der Wohnungsbau schwieriger geworden. Viele Bauprojekte wurden verschoben oder ganz abgesagt, weil die Finanzierung teurer wurde. Dadurch entstanden weniger neue Wohnungen als geplant. Ein weiterer Begriff, der oft in den Nachrichten vorkommt, ist der soziale Wohnungsbau. Dabei handelt es sich um Wohnungen, die mit staatlicher Unterstützung gebaut werden. Sie sind für Menschen mit geringem Einkommen gedacht und haben meist niedrigere Mieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland sehr viele Sozialwohnungen gebaut. Später sank ihre Zahl jedoch, weil viele Wohnungen nach einer bestimmten Zeit nicht mehr an diese Regelung gebunden waren. Heute versuchen Bund, Länder und Kommunen wieder, mehr sozialen Wohnungsbau zu fördern. In Deutschland gibt es außerdem verschiedene Gesetze zum Schutz von Mietern. Die Kündigung einer Wohnung ist zum Beispiel nicht einfach möglich. Außerdem gibt es in einigen Regionen die sogenannte Mietpreisbremse. Sie soll verhindern, dass die Mieten bei einer Neuvermietung sehr stark steigen. Die Wirkung dieser Regel wird allerdings unterschiedlich bewertet. Manche Experten halten sie für hilfreich, andere glauben, dass sie das Problem allein nicht lösen kann. Nicht nur die Miete selbst ist teurer geworden. Wer eine Wohnung mietet, muss meistens auch Nebenkosten bezahlen. Dazu gehören zum Beispiel Heizkosten, Wasser, Müllabfuhr und andere Betriebskosten. Vor allem die Energiepreise haben sich in den vergangenen Jahren zeitweise deutlich erhöht. Dadurch stiegen für viele Haushalte die gesamten Wohnkosten. Auch Ferienwohnungen spielen in manchen Städten eine Rolle. Wohnungen, die an Touristen vermietet werden, stehen den Einwohnern nicht mehr dauerhaft zur Verfügung. Einige Städte haben deshalb Regeln eingeführt, um die Umwandlung normaler Wohnungen in Ferienwohnungen zu begrenzen. Interessant ist auch, dass sich die Situation innerhalb Deutschlands stark unterscheidet. In einigen ländlichen Regionen gibt es leer stehende Häuser und Wohnungen. Dort suchen Gemeinden manchmal sogar neue Einwohner. In großen Städten dagegen ist Wohnraum knapp. Deshalb ziehen manche Menschen bewusst etwas weiter aufs Land und pendeln jeden Tag zur Arbeit. Die Wohnungssuche gehört für viele Menschen inzwischen zu den größten Herausforderungen beim Umzug. Wer sich auf eine Mietwohnung bewirbt, bringt oft verschiedene Unterlagen mit. Dazu gehören zum Beispiel Gehaltsnachweise, eine Schufa-Auskunft und manchmal auch eine Bescheinigung des bisherigen Vermieters. Vor allem in Städten mit vielen Bewerbern möchten Vermieter möglichst viele Informationen über ihre zukünftigen Mieter haben. Auch Wohngemeinschaften, kurz WGs, sind in Deutschland sehr beliebt. Mehrere Menschen teilen sich dabei eine Wohnung und bezahlen gemeinsam die Miete. Besonders Studierende entscheiden sich oft für diese Wohnform, weil sie günstiger ist als eine eigene Wohnung. Viele junge Berufstätige wohnen ebenfalls einige Jahre in einer WG. Noch ein Beispiel aus meiner eigenen Stadt München: Wir haben einen neuen Oberbürgermeister. Er ist sehr jung und gehört zur Partei „Die Grünen“. Er heißt Dominik Krause. Und dieser OB versucht nun, aus leerstehenden Büros Wohnungen zu machen. In München gibt es nämlich viele leerstehende Büros. Durch die Pandemie arbeiten viele Menschen im Homeoffice, es werden nicht mehr so viele Büros gebraucht. Also kann man versuchen, diese umzubauen – damit Menschen darin wohnen können. 10.000 neue Wohnungen sollen so entstehen. Ich bin gespannt, ob es klappt. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg325kurz.pdf | 12m 31s | ||||||
| 9/22/26 | Vier-Tage-Woche in Deutschland? – SG 324 | Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Freizeit und weniger Stress im Beruf. Deshalb hört man in den letzten Jahren oft einen Begriff: die Vier-Tage-Woche. Die Idee ist einfach. Statt an fünf Tagen pro Woche zu arbeiten, arbeiten die Beschäftigten nur an vier Tagen. Dabei gibt es allerdings verschiedene Modelle. Manche Menschen arbeiten an vier Tagen jeweils etwas länger und kommen so auf die gleiche Zahl von Arbeitsstunden wie vorher. Andere arbeiten tatsächlich weniger Stunden und erhalten trotzdem ihr volles Gehalt. Genau dieses Modell wird besonders häufig diskutiert. Aber schauen wir erstmal in die Geschichte. Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen zweihundert Jahren stark verändert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren 14 bis 16 Stunden Arbeit pro Tag normal. Sechs Tage die Woche. Während der Industrialisierung waren dann Arbeitstage von 10 bis 12 Stunden keine Seltenheit. Es gab kaum Urlaub, und viele Fabrikarbeiter hatten nur den Sonntag frei. Mit der Zeit entstanden Gewerkschaften, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzten. 1918, also gleich nach dem Ersten Weltkrieg, gab es in Deutschland die Novemberrevolution. Unternehmer und Gewerkschaften einigten sich damals auf den Acht-Stunden-Tag. Von einer Kampagne möchte ich Dir erzählen. Sie startete 1955, mitten im deutschen Wirtschaftswunder. Damals lief die Wirtschaft so gut, dass viele Fabrikarbeiter Überstunden machten. Sie arbeiteten also mehr als die Stunden, für die sie bezahlt wurden. 48 Stunden waren das im Durchschnitt pro Woche. Auch am Samstag mussten die Männer – es waren damals vor allem Männer – arbeiten. Also sagten die Gewerkschaften: Fünf Tage pro Woche, 40 Stunden Arbeit. Und der Samstag ist frei. 1956 wurden die Plakate dafür gedruckt. Der Slogan war „Samstags gehört Vati mir“. Nach und nach wurden die Arbeitszeiten reduziert. Aus der Sechs-Tage-Woche wurde in vielen Berufen eine Fünf-Tage-Woche. 1959 begann es bei den Beschäftigten im Steinkohlebergbau, dann folgten Versicherungen und Banken und so weiter. In den 1980er-Jahren war ich ein Kind, und ich erinnere mich gut daran, dass es immer wieder das gleiche Thema in den Nachrichten gab: Den Kampf um die 35-Stunden-Woche. Das hatte aber einen ganz anderen Grund als zuvor: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland war sehr hoch. 1985 stieg sie auf 9,3 Prozent. Zum Vergleich: Heute im Jahr 2026 liegt sie bei 6,5 Prozent, 2019 waren es sogar nur 5 Prozent. Jedenfalls kam damals die Idee auf: Wenn alle Menschen weniger arbeiten, dann haben mehr Menschen Arbeit. Es kam zu Streiks in der Metallindustrie. Die Menschen kämpften für die 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber fanden das gar nicht gut. Sie sperrten Hunderttausende Beschäftigte einfach aus. Sie durften also nicht arbeiten und bekamen gar kein Geld mehr. Sieben Wochen dauerte dieser Streik. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss: 38,5 Stunden pro Woche. 1995 gab es dann wirklich die 35 Stunden-Woche. Heute ist die Fünf-Tage-Woche in Deutschland der Normalfall, auch wenn Menschen in manchen Berufen weiterhin am Wochenende arbeiten müssen. Dazu gehören zum Beispiel Pflegekräfte, Polizisten, Busfahrer oder Mitarbeiter in Restaurants. Auch die tägliche Arbeitszeit wurde kürzer. In Deutschland gilt heute das Arbeitszeitgesetz. Es legt fest, dass Beschäftigte grundsätzlich nicht länger als acht Stunden pro Werktag arbeiten sollen. Unter bestimmten Bedingungen sind bis zu zehn Stunden möglich, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb eines festgelegten Zeitraums wieder sinkt. Wir sind gerade im Westen bei 37,5 Stunden und im Osten bei 38,6 Stunden im Durchschnitt. Die Diskussion über die Vier-Tage-Woche begann schon vor vielen Jahren, wurde aber besonders nach der Corona-Pandemie intensiver. Während der Pandemie arbeiteten viele Menschen im Homeoffice. Sie merkten, dass sich ihre Arbeitsweise veränderte. Unternehmen stellten fest, dass manche Aufgaben auch mit flexibleren Arbeitszeiten gut erledigt werden konnten. Gleichzeitig sprechen viele Menschen heute mehr über ihre psychische Gesundheit und über die Balance zwischen Beruf und Privatleben. Ein weiterer Grund für die Diskussion ist der Fachkräftemangel. Viele Unternehmen suchen dringend neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einige hoffen, dass eine Vier-Tage-Woche den Arbeitsplatz attraktiver macht. Wenn Beschäftigte mehr Freizeit haben, entscheiden sich vielleicht mehr Menschen für dieses Unternehmen. In den vergangenen Jahren wurden in verschiedenen Ländern Studien und Testprojekte durchgeführt. Besonders bekannt ist ein großer Versuch im Vereinigten Königreich. Mehrere Dutzend Unternehmen testeten dort die Vier-Tage-Woche über mehrere Monate. Viele Firmen berichteten anschließend, dass die Produktivität gleich blieb oder sich sogar verbesserte. Gleichzeitig gaben viele Beschäftigte an, dass sie zufriedener waren und sich weniger gestresst fühlten. Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, die mit einer Vier-Tage-Woche experimentieren. Manche Betriebe berichten von positiven Erfahrungen. Die Mitarbeiter fehlen seltener wegen Krankheit und fühlen sich stärker mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Andere Unternehmen stellen jedoch fest, dass das Modell nicht für jede Branche geeignet ist. Denn die Arbeit ist sehr unterschiedlich. In einem Büro lassen sich Aufgaben oft flexibel organisieren. In einem Krankenhaus, einer Bäckerei oder einem Hotel ist das schwieriger. Dort müssen Menschen auch dann arbeiten, wenn Kunden oder Patienten Hilfe brauchen. Wenn alle Beschäftigten einen Tag weniger arbeiten, muss das Unternehmen zusätzliches Personal finden. Das ist nicht immer einfach. Außerdem bedeutet eine Vier-Tage-Woche nicht automatisch, dass weniger gearbeitet wird. Manche Beschäftigte arbeiten an vier Tagen jeweils zehn Stunden. Sie haben zwar einen zusätzlichen freien Tag, sind an den Arbeitstagen aber länger im Betrieb. Andere Modelle verkürzen dagegen tatsächlich die Wochenarbeitszeit. Dann stellt sich die Frage, ob die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt werden kann. Experten sprechen in diesem Zusammenhang oft über Produktivität. Damit ist gemeint, wie viel Arbeit in einer bestimmten Zeit geschafft wird. Wenn Arbeitsabläufe besser organisiert sind, können Beschäftigte manchmal in kürzerer Zeit genauso viel erreichen. Weniger Besprechungen, weniger Unterbrechungen und eine bessere Planung können dabei helfen. Es gibt aber auch Kritik an der Vier-Tage-Woche. Manche Wirtschaftsverbände befürchten, dass Unternehmen höhere Kosten haben könnten, wenn sie den gleichen Lohn für weniger Arbeitsstunden zahlen. Andere sagen, dass Deutschland wegen des demografischen Wandels eigentlich mehr Arbeit brauche und nicht weniger. Die Bevölkerung wird älter, und viele Menschen gehen in den nächsten Jahren in Rente. Dadurch fehlen Arbeitskräfte in vielen Berufen. Auch Arbeitnehmer sehen das Thema unterschiedlich. Einige wünschen sich mehr Freizeit, um Zeit mit der Familie zu verbringen oder Hobbys nachzugehen. Andere würden lieber mehr Geld verdienen als einen zusätzlichen freien Tag zu haben. Wieder andere arbeiten bereits in Teilzeit und organisieren ihre Arbeitszeit ganz individuell. Die Diskussion zeigt, dass sich die Arbeitswelt ständig verändert. Vor hundert Jahren erschien die Fünf-Tage-Woche vielen Menschen ungewöhnlich. Heute ist sie selbstverständlich. Ob die Vier-Tage-Woche eines Tages ebenso normal wird, lässt sich noch nicht sagen. Sicher ist aber, dass Unternehmen, Beschäftigte, Gewerkschaften und Politiker weiterhin darüber diskutieren werden, wie Arbeit in Zukunft organisiert werden kann. Für mich gilt das alles nicht: Ich bin Freiberuflerin. Ich arbeite zu Hause und produziere drei Podcasts. Und ich danke Dir, dass Du mich dabei bei Patreon oder auf slowgerman.com unterstützt. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg324kurz.pdf | 13m 41s | ||||||
| 9/8/26 | BargeldZahlungsmethoden+3 | — | — | — | BargeldZahlungsmethoden+3 | italkiSLOWGERMAN9 | 14m 00s | ||
| 7/21/26 | WehrpflichtMilitärdienst+4 | — | — | Deutschland | WehrpflichtBundeswehr+5 | — | 9m 49s | ||
| 7/7/26 | Social MediaJugendliche+3 | — | Australien | Deutschland | Social MediaJugendliche+3 | — | 9m 03s | ||
| 6/16/26 | BrustkrebsGesundheit+4 | — | Patreon | Deutschland | BrustkrebsKrebs+6 | — | 12m 02s | ||
| 3/17/26 | Eurovision Song ContestMusikwettbewerb+3 | — | Europäischen Rundfunkunion | Australien | EurovisionSong Contest+3 | italkiSLOWGERMAN3 | 11m 32s | ||
| 3/3/26 | Südtiroltravel+3 | — | UNESCO | SüdtirolItalien+4 | Südtiroltravel+5 | italkiSLOWGERMAN3 | 9m 55s | ||
| 2/13/26 | Münchner SicherheitskonferenzDemonstrationen+3 | — | — | MünchenBayerischer Hof+1 | MünchenSicherheitskonferenz+3 | italkiSLOWGERMAN3 | 8m 44s | ||
| 2/3/26 | witcheshistory+3 | — | Wednesday | DeutschlandEuropa | witchesGermany+5 | — | 12m 55s | ||
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| 1/20/26 | German historyDDR+4 | — | DDRStasi | DeutschlandBundesrepublik Deutschland+3 | DDRBerlin Wall+6 | — | 9m 38s | ||
| 1/6/26 | Rosa LuxemburgGerman history+4 | — | Schweiz | PolenRussischen Reich+1 | Rosa Luxemburgpolitical thinker+5 | — | 9m 35s | ||
| 12/23/25 | JustizRecht+4 | — | Deutsches Reich | Deutschland | JustizGericht+5 | — | 13m 01s | ||
| 12/9/25 | VorurteileStereotype+3 | — | — | DeutschlandFrankreich | VorurteileStereotype+5 | — | 8m 52s | ||
| 11/25/25 | classical musicEuropean anthem+4 | — | An die FreudeNeunte Sinfonie | — | Ode an die FreudeFriedrich Schiller+5 | — | 11m 07s | ||
| 11/11/25 | Olympic GamesGermany+4 | — | nationalsozialistische Regierung | MünchenDeutschland+2 | Olympic GamesGermany+5 | — | 10m 04s | ||
| 10/28/25 | Die Römer in Deutschland – SG 309 | Als ich ein Kind war, haben wir mit der Schule einen Ausflug gemacht. Ein Bus kam und wir stiegen alle ein. Das Ziel war ein Römerkastell. Wir waren sehr aufgeregt. Was würden wir dort sehen? Eine große Burg? Ein Schloss? Eine Arena? Über eine Stunde lang waren wir unterwegs. Und als wir ankamen, war die Enttäuschung groß: Wir sahen nur ein paar Mauern. Mehr war von dieser römischen Siedlung nicht übrig geblieben. Warum ich Dir das erzähle? Weil ich heute mal in die Geschichte blicken will. Lass uns sehen, wie die Römer Deutschland geprägt haben. Denn vor fast zweitausend Jahren war ein großer Teil des heutigen Deutschlands Teil des Römischen Reiches oder stand zumindest unter seinem Einfluss. Das Römische Reich dehnte sich im ersten Jahrhundert vor Christus immer weiter aus. Die Römer eroberten große Teile Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens. Auch die Gebiete nördlich der Alpen wurden interessant für sie, denn dort gab es fruchtbare Böden, Holz, Metalle und Handelswege. Die Römer nannten das Land der Germanen „Germania“. Eine wichtige Grenze war der sogenannte Limes. Das war eine Linie aus Wachtürmen, Gräben und Mauern, die das Römische Reich von den Gebieten der Germanen trennte. Der Limes verlief quer durch das heutige Deutschland, von Rheinland-Pfalz über Hessen und Baden-Württemberg bis nach Bayern. Er war über 500 Kilometer lang. Heute kann man an vielen Orten noch Reste davon sehen, zum Beispiel in Aalen, Saalburg oder Regensburg. Der Limes ist sogar UNESCO-Weltkulturerbe. Die Römer gründeten viele Städte, die heute noch existieren. Trier, das damals „Augusta Treverorum“ hieß, war eine der wichtigsten römischen Städte nördlich der Alpen. Sie war sogar eine Zeit lang Hauptstadt des Weströmischen Reiches. In Trier kann man heute noch römische Bauwerke bewundern: die Porta Nigra, ein riesiges Stadttor, oder die Kaiserthermen, in denen sich die Römer gebadet haben. Ich war leider noch nie dort. Auch Köln wurde von den Römern gegründet – Mainz, Augsburg und Regensburg haben ebenfalls römische Wurzeln. Die Römer brachten viele Dinge mit, die für die Menschen in Germanien neu waren. Zum Beispiel Wein. Vor den Römern trank man hier eher Bier oder Met. Aber die Römer pflanzten Reben an – besonders entlang des Rheins und der Mosel. Noch heute sind diese Regionen für ihren Wein bekannt. Auch Straßen und Brücken, wie sie die Römer bauten, gab es vorher nicht. Viele moderne Straßen in Süddeutschland verlaufen noch immer dort, wo früher römische Heerstraßen waren. Die Römer bauten gerade, feste Wege – perfekt für Handel und Reisen. Auch in der Sprache gibt es römische Spuren. Das Lateinische, die Sprache der Römer, beeinflusste viele europäische Sprachen, auch das Deutsche. Das Wort „Fenster“ kommt zum Beispiel vom lateinischen Wort fenestra, „Keller“ von cellarium oder „Mauer“ von murus. Die Römer brachten auch ihre Kultur und ihre Lebensart mit. Sie badeten regelmäßig, aßen gemeinsam in großen Speisesälen und liebten Theater und Spiele. In manchen deutschen Städten kann man noch die Reste von römischen Amphitheatern sehen, zum Beispiel in Trier oder Xanten. Dort kämpften Gladiatoren zur Unterhaltung des Publikums. Auch die römische Mode und Architektur beeinflussten die Menschen. Häuser mit Steinmauern, Ziegeln und Fußbodenheizung waren in Germanien vorher unbekannt. Viele dieser Techniken übernahmen später auch die germanischen Stämme. Natürlich waren die Römer nicht überall beliebt. Es gab immer wieder Kämpfe. Nach dem Untergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert blieben viele seiner Spuren bestehen. Die Nachfolger der Römer, etwa die Franken, übernahmen vieles aus der römischen Verwaltung und dem Rechtssystem. Auch das Christentum, das im Römischen Reich verbreitet wurde, kam auf diesem Weg nach Deutschland. Ohne Rom gäbe es hier wohl keine Kirchen, Kathedralen und Klöster in der Form, wie wir sie heute kennen. Ich kann mich erinnern, was mich bei meinem Ausflug zum Römerkastell in Eining besonders faszinierte: Die Römer hatten eine Fußbodenheizung. Wie schlau war das denn? Und die Lehrerin erzählte uns, dass die Römer gerne gemeinsam auf die Toilette gingen - unter den Sitzbänken gab es fließendes Wasser. Jetzt weißt du, was mich als Kind an den Römern fasziniert hat. Und Du? Was weißt Du über die Römer? Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg309kurz.pdf | 7m 53s | ||||||
| 10/14/25 | Ignaz Semmelweis, Retter der Mütter – SG 308 | Ich habe letztens ein altes Familienfoto gesehen. Es zeigt Verwandte von mir vor ungefähr hundert Jahren oder mehr. Zu sehen sind ein grimmig dreinschauender Vater und eine sehr müde aussehende Mutter und viele, viele Kinder. Damals war es üblich, dass Frauen viele Kinder bekamen. Schuld war daran nicht nur die fehlende Verhütung, sondern auch die Kindersterblichkeit. Die Menschen wussten, dass viele ihrer Kinder nicht alt werden würden. Nur wenige schafften es bis ins Erwachsenenalter. Ich habe mir die Statistiken angesehen: Um das Jahr 1870 starb eines von vier Neugeborenen in seinem ersten Lebensjahr, also 25 Prozent. 1938 waren es noch 6 von 100 Lebendgeborenen, also nur noch 6 Prozent. Heute sterben nur noch etwa drei von 1.000 Kindern, also 0,3 Prozent. Das ist eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte. Und auch bei den Frauen gab es positive Nachrichten: Während früher sehr viele Frauen im sogenannten Kindbett starben, also bei der Geburt oder kurz danach, ist das heute nur noch sehr selten. Dafür gab es viele Gründe, und über einen Grund möchte ich Dir heute mehr erzählen. In dieser wahren Geschichte geht es um einen Mann namens Ignaz Semmelweis. Ignaz Semmelweis war ein Arzt, der im 19. Jahrhundert lebte. Er wurde 1818 in Budapest geboren. Damals gehörte Ungarn noch zum Kaiserreich Österreich. Er studierte Medizin in Wien und entschied sich als Spezialfach für die Geburtshilfe, also für die Betreuung von Frauen, die ein Kind bekommen. Nach seinem Studium begann er in Wien im Allgemeinen Krankenhaus zu arbeiten. Das war eines der größten Krankenhäuser Europas, und viele junge Ärzte wurden dort ausgebildet. Im Krankenhaus gab es zwei Geburtsstationen. In der einen Station arbeiteten Ärzte und Medizinstudenten, in der anderen Hebammen, die dort ausgebildet wurden. Die Frauen wollten alle lieber zu den Hebammen gehen, und das hatte einen wichtigen Grund: Auf der Station der Ärzte starben viele Frauen nach der Geburt – bei den Hebammen war diese Zahl viel geringer. Niemand wusste, warum das so war. Die Ärzte dachten, es liege vielleicht an der Luft oder an der Angst der Frauen. Damals gab es viele Theorien, aber keine Beweise. Ignaz Semmelweis wurde neugierig. Er wollte den Grund dafür herausfinden. Eines Tages starb sein Freund. Er war Pathologe gewesen und starb kurz nach einer Verletzung, die er sich bei einer Obduktion zugezogen hatte. Eine Obduktion ist die Untersuchung eines toten Menschen um herauszufinden, woran er gestorben ist. Der Freund hatte sich bei einer Untersuchung an der Hand verletzt, und kurz danach bekam er dieselben Symptome wie die Frauen, die im Krankenhaus nach der Geburt starben. Da hatte Semmelweis eine Idee: Vielleicht hatten die Ärzte etwas von den Toten auf die gebärenden Frauen übertragen. Die Ärzte machten nämlich Obduktionen, also Leichenuntersuchungen, und gingen danach ohne sich die Hände zu desinfizieren zu den Geburten. Hygiene galt als Zeitverschwendung. Manche wuschen sich nichtmal die Hände mit Wasser und Seife. Niemand fand das damals merkwürdig, es war ganz normal. Über Bakterien und andere Krankheitserreger wusste man damals noch nichts. Semmelweis wollte herausfinden, ob seine Theorie richtig war. Er sagte den Ärzten und Studenten, dass sie sich die Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk waschen mussten, bevor sie in die Geburtsstation gingen. Und plötzlich geschah etwas Erstaunliches: Die Zahl der toten Frauen sank sehr schnell. Innerhalb weniger Monate starben fast keine Frauen mehr am sogenannten Kindbettfieber. Das war ein riesiger Erfolg. Hat man Semmelweis dafür gefeiert und belohnt? Nein. Im Gegenteil. Die Ärzte glaubten ihm nicht. Sie fühlten sich angegriffen. Denn die Theorie sagte ja im Grunde, dass sie selbst schuld waren am Tod vieler Frauen. Das wollte natürlich kein Arzt hören. Außerdem konnte Semmelweis nicht wirklich erklären, warum das Händewaschen half – Bakterien waren noch nicht entdeckt. Erst später, durch die Arbeiten von Louis Pasteur, verstand man, dass winzige Lebewesen Krankheiten verursachen können. Doch Semmelweis hatte das Problem schon vorher gelöst, einfach durch Beobachtung und ein Experiment. Er versuchte, seine Ideen bekannt zu machen, schrieb Briefe und Artikel, später sogar ein Buch über seine Erfahrungen. Aber viele Leute lachten über ihn. Er wurde nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass er mit allem recht hatte, doch zu seiner Zeit war er ein Außenseiter. Nach einigen Jahren verließ Semmelweis Wien und ging zurück nach Budapest. Dort arbeitete er weiter als Arzt und führte das Händewaschen auch in der Geburtsstation seiner Heimatstadt ein. Wieder sanken die Todesfälle deutlich. Trotzdem bekam er keine Anerkennung. Viele seiner Kollegen mieden ihn, und er wurde immer einsamer. Gegen Ende seines Lebens war er sehr verbittert und krank. 1865 wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er nur wenige Wochen später starb – vermutlich an einer Blutvergiftung, also genau an der Krankheit, die er so oft verhindern wollte. Erst Jahre nach seinem Tod erkannte die Welt, wie wichtig seine Entdeckung war. Heute gilt Ignaz Semmelweis als einer der Väter der modernen Hygiene. Händewaschen und vor allem die Hände zu desinfizieren gehört heute zu den einfachsten und wichtigsten Regeln der Medizin. Was heute selbstverständlich ist, war zu den Zeiten von Ignaz Semmelweis undenkbar. Gut, dass wir Menschen manchmal klüger werden und dazulernen. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg308kurz.pdf | 9m 59s | ||||||
| 9/30/25 | Arbeitslos in Deutschland – SG 307 | Warst du schon einmal arbeitslos? Ich zum Glück nicht. Bei mir geht das aber auch eigentlich nicht, denn ich bin eine sogenannte Freiberuflerin und daher selbständig. Das bedeutet, dass ich nicht angestellt bin. Ich bin meine eigene Chefin. Und ich habe immer viele Ideen für Projekte. Arbeitslosigkeit ist aber ein Thema, das in Deutschland seit vielen Jahren wichtig ist. Immer wieder hört man in den Nachrichten Zahlen dazu. Aber was bedeutet Arbeitslosigkeit eigentlich? Ganz einfach: Wenn jemand arbeiten möchte, aber keinen Job findet, dann ist diese Person arbeitslos. In Deutschland meldet man sich dann bei der sogenannten Agentur für Arbeit. Früher hieß das Arbeitsamt. Dort bekommt man Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle. Und manchmal auch Geld vom Staat, damit man in dieser Zeit überleben kann. Schauen wir mal in die Geschichte. Wie war es da mit der Arbeitslosigkeit? Besonders schlimm war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Damals war Deutschland arm und es gab sehr viele Menschen ohne Arbeit. Ab 1929 kam es dann zur Weltwirtschaftskrise. In dieser Zeit waren in Deutschland Millionen von Menschen arbeitslos. Viele Menschen standen stundenlang in Schlangen, um eine Suppe zu bekommen. Verglichen mit anderen Ländern ging es Deutschland in dieser Krise noch vergleichsweise gut. Es erreichte nach einigen Jahren als eines der ersten Länder wieder die sogenannte Vollbeschäftigung. Das bedeutet, dass alle Menschen, die Arbeit suchten, auch welche fanden. Es gab also so gut wie keine Arbeitslosigkeit. So toll war das aber gar nicht, denn die Arbeitsbedingungen waren oft schlecht und die Löhne sehr niedrig. Nach dem Zweiten Weltkrieg sah die Lage zunächst auch nicht gut aus. Städte waren zerstört, Fabriken kaputt, viele Menschen auf der Flucht. Doch schon bald begann das sogenannte Wirtschaftswunder. In den 1950er-und 1960er-Jahren ging es Deutschland wirtschaftlich sehr gut. Plötzlich fehlten Arbeitskräfte, weil es so viel Arbeit gab. Deswegen holte Deutschland sogenannte Gastarbeiter ins Land. Viele kamen aus Italien, Griechenland oder der Türkei. Sie halfen, die Wirtschaft aufzubauen. Dazu gibt es eine eigene Episode Slow German. Vor der Corona-Pandemie waren die Zahlen der Arbeitslosigkeit in Deutschland sehr niedrig. Während der Corona-Zeit stiegen die Zahlen jedoch wieder an. Viele Geschäfte, Restaurants oder kleine Betriebe mussten schließen. Um die Menschen zu unterstützen, führte Deutschland das sogenannte Kurzarbeitergeld ein. Das bedeutet, dass Menschen zwar weniger arbeiten, aber einen Teil ihres Lohns trotzdem vom Staat bekommen. So verloren nicht alle sofort ihren Job. 2023 und 2024 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei ungefähr fünf bis sechs Prozent. Das bedeutet: Von hundert Menschen im Arbeitsalter sind etwa fünf bis sechs arbeitslos. Diese Quote schwankt aber, je nach Region. In Bayern oder Baden-Württemberg gibt es oft weniger Arbeitslose, weil dort viele große Firmen wie BMW, Audi oder Bosch sitzen. In anderen Regionen ist die Quote manchmal höher. Zum Beispiel sind es in Bayern nur knapp 4 Prozent, in Bremen aber fast 12 Prozent. Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass die Arbeitslosenquote im August 2025 bei 6,4 lag, bei Frauen war sie bei 6,2 und bei Männern bei 6,6. Und bei Jugendlichen unter 20 Jahren bei 5,8 Prozent. Wenn man das in absoluten Zahlen ausdrückt waren etwas mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Ich habe mal nachgesehen, wie es in anderen europäischen Ländern aussieht - in Spanien und Finnland ist es am schlimmsten, Deutschland ist eher auf den vorderen Plätzen, was Beschäftigung angeht. Aber warum werden Menschen überhaupt arbeitslos? Manche verlieren ihren Job, weil die Firma schließen muss. Momentan wird oft die Weltwirtschaftslage als Grund angeführt, denn durch die Unsicherheit investieren viele Firmen nicht in Jobs. Manche Menschen können aber auch einfach nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, weil sich die Technik verändert hat. Ein Beispiel: Früher gab es in fast jeder Stadt Telefonzellen. Jemand musste sich um diese Telefone kümmern. Heute hat fast jeder ein Handy, und dieser Beruf ist verschwunden. Dafür entstehen aber auch neue Berufe, zum Beispiel im Bereich Computer oder erneuerbare Energien. Es kann auch passieren, dass man in seinem eigentlichen Beruf nicht mehr arbeiten kann, weil man gesundheitliche Probleme hat. Auch psychische Probleme gehören natürlich dazu. Ich erinnere mich übrigens noch an die sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, kurz ABM. Da erfand der Staat Jobs, um arbeitslosen Menschen eine Möglichkeit zu geben, einen geregelten Arbeitsalltag zu haben. Meistens waren das Jobs im sozialen Bereich oder auch im Umweltschutz. Kritik daran war, dass dadurch natürlich die Arbeitslosenstatistiken plötzlich viel besser aussahen. Heute ist die ABM noch ein geflügeltes Wort. Wenn jemand das Gefühl hat, eine Aufgabe erledigen zu müssen, die eigentlich nicht nötig ist, sagt er: Das ist sowieso nur eine ABM. Heute bietet die Agentur für Arbeit viele Hilfsmöglichkeiten für Menschen, die arbeitslos werden. Zum Beispiel bietet die Agentur Kurse an, in denen Menschen lernen können, wie man Bewerbungen schreibt oder wie man sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet. Außerdem gibt es Umschulungen. Das bedeutet, dass man einen neuen Beruf lernen kann, wenn es in der alten Branche keine Jobs mehr gibt. Und unter bestimmten Bedingungen bekommt ein arbeitsloser Mensch auch Geld vom Staat. Die Bedingungen zähle ich jetzt hier aber nicht auf, das ist zu kompliziert. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg307kurz.pdf | 9m 33s | ||||||
| 9/16/25 | Gute deutsche Podcasts – SG 306 | Seit 2007 mache ich diesen Podcast. Ist es also nicht höchste Zeit, dass wir hier auch mal über Podcasts sprechen? Ich erzähle dir erst etwas über die Geschichte der Podcasts und dann gebe ich dir Hörtipps, ok? Anfang der 2000er-Jahre gab es die ersten Podcasts in den USA. Bald darauf sind wir auch hier in Deutschland gestartet. Ich bin seit 2005 dabei, damals gab es knapp 70 deutsche Podcasts. Heute sind es angeblich 70.000, das sagt zumindest Spotify. Bei dieser Zahl ist also klar, dass es wirklich zu fast jedem Thema einen Podcast gibt. Und auch die Radiosender haben Podcasts für sich entdeckt und stellen ihre Sendungen ins Internet. Das finde ich persönlich sehr praktisch, weil ich sie dann hören kann, wenn ich Zeit und Lust habe. Und ich finde es super, dass alle neuen Episoden meiner abonnierten Podcasts automatisch bei mir landen – ich muss sie nicht suchen. So vergesse ich auch nie, sie zu hören! Laut Studien von 2023 hören mehr als 40 Prozent der Deutschen zumindest manchmal Podcasts. Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen sie regelmäßig. Ich sage dir jetzt ein paar Podcasts, die ich gut finde oder die sehr bekannt und beliebt sind. Es sind aber Podcasts, die natürlich für Muttersprachler gemacht sind – die meisten sind für dich wahrscheinlich noch zu schnell. Aber probier es einfach mal aus, vielleicht verstehst du ja doch etwas! Wenn ich so überlege, würde ich sagen, dass vor allem zwei Formate in Deutschland sehr beliebt sind. Das eine sind die sogenannten True-Crime-Podcasts. Da wird also über wahre Kriminalfälle gesprochen, meistens über spektakuläre Mordfälle, die wirklich passiert sind. Ich persönlich mag solche Podcasts nicht. Zum einen machen sie mir Angst, zum anderen finde ich es komisch, über diese Schicksale von Menschen ein unterhaltsames Format zu machen. Aber das ist Geschmackssache. Vor allem Frauen in Deutschland lieben True-Crime-Podcasts. Wenn du mal einen solchen True-Crime-Podcast hören willst, empfehle ich dir „ZEIT Verbrechen“. Das andere Format sind die Gesprächspodcasts. Ich nenne sie auch gerne Laberpodcasts. Labern ist ein umgangssprachliches Wort für „sprechen“. Meistens machen diese Art von Podcasts Männer. Sehr alt und sehr bekannt ist zum Beispiel „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Er gehört zu den meistgehörten Podcasts in Deutschland. Jan Böhmermann kennt man hier als Fernsehmoderator, Olli Schulz ist ein Singer-Songwriter. In ihrem wöchentlichen Podcast sprechen sie einfach über alles Mögliche, was ihnen gerade einfällt. Mit der Zeit hat man bei solchen Podcasts das Gefühl, die sprechenden Menschen zu kennen. Ebenfalls sehr bekannt ist „Baywatch Berlin“, da sprechen drei Männer. Und zwar sind das Klaas Heufer-Umlauf, Thomas Schmitt und Jakob Lundt. Klaas ist ein Fernsehmoderator, und die anderen beiden arbeiten mit ihm zusammen beim Fernsehen. Beide Podcasts sind lustig und schnell. Und in „Sträter & Streberg“ sprechen die beiden Freunde über Filme und Serien. Wenn du dich eher für Politik interessierst, dann wäre die „Lage der Nation“ etwas für dich. Philip Banse und Ulf Buermeyer fassen in diesem Podcast jede Woche die wichtigsten Themen zusammen. Ebenfalls politisch, aber noch etwas unterhaltsamer, ist „Apokalypse & Filterkaffee“ von Micky Beisenherz und Kolleginnen und Kollegen. Dieser Podcast erscheint jeden Tag und ist ungefähr eine halbe Stunde lang. Bei der Vielzahl an Podcasts finde ich es schwer, eine Auswahl zu treffen. Daher sage ich dir jetzt einfach, welche Podcasts ich besonders gerne höre. Die deutsche Zeitung „Die Zeit“ veröffentlicht eigentlich nur gute Podcasts. Sie sind von hoher Qualität, und man lernt eine Menge dazu. Zum Beispiel sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend in „Alles gesagt?“ mit einem bekannten Menschen. Das kann ein Schauspieler sein oder eine Wissenschaftlerin. Das Besondere an diesem Podcast ist, dass er so lange dauert, bis der Gast ein bestimmtes Codewort sagt. Dann ist er sofort vorbei. Manche Episoden dauern daher acht oder neun Stunden! Wenn du dich für Kunst interessierst, empfehle ich dir „Augen zu“, ebenfalls von der Zeit. Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sprechen in jeder Episode über einen Künstler oder eine Künstlerin und erzählen viel aus deren Leben. Wenn dich eher Musik interessiert, dann hör doch mal in „Urban Pop – Musiktalk mit Peter Urban“ rein. Ausführlich wird hier über sehr bekannte Stars gesprochen, zum Beispiel über die Eagles, die Beatles oder Depeche Mode. Es gibt auch gute deutsche Storytelling-Podcasts. Zuletzt hat mich „Legion“ sehr berührt. In sieben Episoden geht es da um die sogenannte Scamming-Industrie, also um Menschen, die anderen Menschen über das Internet Liebe vorgaukeln und sie dann dazu bringen, viel Geld zu überweisen. Dieser Podcast zeigt, was eigentlich hinter diesen Scams steckt, und es ist erschreckend. Super fand ich auch den „Seelenfänger“-Podcast, da geht es in mehreren Staffeln um verschiedene Sekten und wie diese es schaffen, Menschen zu beeinflussen. Oder „Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen“ über den bekannten Fall der Firma Wirecard. Die mittlerweile vierte Staffel dreht sich um den Chef Jan Marsalek und um die Frage, ob dieser ein russischer Spion ist oder war. Und noch ein letzter Tipp in dieser Art: „Der Germanwings-Absturz – Zehn Jahre ohne euch“. Wie kam es dazu, dass ein Pilot ein ganzes Flugzeug mit Menschen in den Tod riss? Wenn du dich für Spione und Agenten interessierst, dann ist vielleicht „Dark Matters“ etwas für dich. Da geht es um die Geheimnisse der Geheimdienste. Und „Die Anschlags“ erzählt die wahre Geschichte eines russischen Ehepaares, das ganz normal in Deutschland gelebt hat und sich dann als Spione entpuppte. Ich glaube, das sind jetzt genug Hörtipps, oder? Du sollst ja auch noch Zeit haben, Slow German zu hören! Was mich aber natürlich immer interessiert, ist die Frage: Welche Podcasts hörst du gerne? Schreib gerne in die Kommentare und gib uns Tipps. Es müssen nicht nur deutsche Podcasts sein! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg306kurz.pdf | 11m 04s | ||||||
| 9/2/25 | Die Firma SAP – SG 305 | Heute erzähle ich dir etwas über eine der bekanntesten Firmen in Deutschland – und sogar auf der ganzen Welt. Sie heißt SAP. Der Name SAP steht für Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung. Die Firma stellt Software her, vor allem für andere Unternehmen. Mit dieser Software können Firmen ihre Arbeit besser organisieren – zum Beispiel bei der Buchhaltung, in der Produktion oder beim Personal. Bei meinem Arbeitgeber gibt es auch ein SAP-Portal, da kann ich zum Beispiel eintragen, wann ich in diesem Jahr Urlaub nehmen möchte. Weil ich die Firma wichtig finde, habe ich sogar Aktien von ihr gekauft - seitdem gab es aber nur Verluste. Zum Glück mache ich keinen Finanz-Podcast… Gegründet wurde die Firma im Jahr 1972 in der Stadt Walldorf in Baden-Württemberg. Die Gründer waren fünf Männer, die vorher bei der Firma IBM gearbeitet hatten. Sie wollten ein neues System entwickeln, das alle wichtigen Bereiche wie Lohnabrechnung und Buchhaltung in einem Unternehmen verbindet. Damals war das eine neue Idee. Heute ist sie ganz normal. Heute arbeiten weltweit über 100.000 Menschen bei SAP, in mehr als 100 Ländern. Die Firma ist also sehr groß. In Deutschland allein sind es über 30.000 Mitarbeitende. Viele arbeiten in Walldorf, wo das Unternehmen noch immer seinen Hauptsitz hat. Dort gibt es moderne Bürogebäude, viel Glas, große Kantinen – und sogar eine eigene Bushaltestelle. Aber was genau macht SAP eigentlich? Ich habe versucht, das herauszufinden, und finde es sehr abstrakt. Die Firma entwickelt sogenannte ERP-Software. Das bedeutet: „Enterprise Resource Planning“. Mit dieser Software können Firmen viele Dinge gleichzeitig steuern – zum Beispiel Lager, Rechnungen, Bestellungen und Mitarbeiterdaten. Früher mussten Unternehmen dafür viele verschiedene Computerprogramme benutzen. Mit SAP geht alles in einem System. Große Firmen wie BMW, Lufthansa oder Coca-Cola nutzen SAP-Dienste, aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen. Früher haben Kunden die Software gekauft und auf ihren eigenen Computern installiert. Heute läuft vieles über das Internet – du weißt sicher, dass man das Cloud nennt - auch im Deutschen. SAP bietet jetzt also viele Dienste in der Cloud an, damit Firmen flexibler arbeiten können. Auch künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit spielen eine immer größere Rolle. Das fällt mir momentan eigentlich in jedem Bereich auf. Die KI wird häufig als Werkzeug benutzt, um Abläufe in Firmen zu beschleunigen. Oder auch um weniger Personal zu brauchen. Denn es gibt in Deutschland einen Fachkräftemangel. Aber das ist ein anderes Thema. SAP ist jedenfalls ein wichtiger Arbeitgeber in Deutschland. Viele junge Menschen machen dort eine Ausbildung oder ein duales Studium. Das heißt: Sie studieren an einer Hochschule und arbeiten gleichzeitig bei SAP. Auch sozial engagiert sich das Unternehmen stark. Ein besonderes Projekt war zum Beispiel „SAP One Billion Lives“. Ziel war es, mit digitalen Lösungen das Leben von einer Milliarde Menschen zu verbessern – zum Beispiel durch Apps für Gesundheit, Bildung oder Umweltschutz. Ich kann nicht einschätzen, ob das wirklich alles so gut ist oder ob es Greenwashing ist. Lassen wir es einfach so stehen. Die Aktien der Firma werden jedenfalls an der Börse gehandelt und es ist sogar das wertvollste Unternehmen im DAX, also im deutschen Aktien-Index. Im Jahr 2025 gehörte es sogar zu den 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Wenn es der Firma gut geht, freuen sich die Aktionäre. Immerhin sind 83 Prozent der Aktien in sogenanntem Streubesitz. Das bedeutet, dass normale Menschen wie du und ich sie besitzen. Ich hoffe die anderen sind damit erfolgreicher als ich… Klingt alles positiv? Schon. Aber es gab auch Kritik an der Firma. Es gab zum Beispiel einen Rechtsstreit mit der Firma Oracle. Journalisten fanden heraus, dass SAP geistiges Eigentum gestohlen haben soll. Außerdem hätten Mitarbeiter eine Forschungsgruppe ausspioniert. Und noch eine schlechte Nachricht: 2024 hat SAP bekanntgegeben, dass es weltweit bis zu 8000 Stellen streichen will. Es werden also Arbeitsplätze abgebaut. Und 2025 hat die Firma als erstes deutsches Unternehmen interne Diversitätsprogramme beendet - das hat etwas mit der Trump-Regierung zu tun. Ich will das alles nicht einordnen - ich wollte einfach nur, dass Du schonmal etwas von der Firma SAP gehört hast. Vielleicht hast Du ihre Produkte sogar schon benutzt, ohne es zu merken… Also: Hast du schon einmal von der Firma gehört? Schreib gerne in die Kommentare! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg305kurz.pdf | 8m 05s | ||||||
| 8/19/25 | Das Ehrenamt und der Freiwilligendienst – SG 304 | Ich habe letztens bei Instagram einen interessanten Dienst entdeckt: Da kann ich mich melden, wenn ich ehrenamtlich arbeiten möchte. Und dann hilft mir der Dienst, eine passende Aufgabe zu finden. Ich habe mir überlegt, was ich machen möchte. Am Liebsten möchte ich Kindern dabei helfen, die deutsche Sprache zu lernen. Also werde ich das ab September tun. Das hat mich dazu gebracht, mehr über das Ehrenamt herauszufinden. Und das ist heute das Thema. In Deutschland engagieren sich viele Menschen freiwillig. Sie helfen, ohne dafür Geld zu bekommen. Das nennt man Ehrenamt oder Freiwilligendienst. Es gibt viele verschiedene Arten, wie man sich engagieren kann – in der Nachbarschaft, in Vereinen, bei Hilfsorganisationen oder im sozialen Bereich. Dieses Engagement ist sehr wichtig für die Gesellschaft. Ohne Ehrenamt würde vieles nicht funktionieren. Vor fast zehn Jahren habe ich schon eine Episode zu diesem Thema gemacht, aber heute wird es etwas ausführlicher. Denn das Thema ist wichtig und ich hoffe, dass sich viele von Euch auch ehrenamtlich engagieren. Das geht aber natürlich nur, wenn man dafür Zeit hat. Ich verstehe, dass das nicht in jeder Lebensphase möglich ist. In Deutschland leisten laut Statistik mehr als 28 Millionen Menschen freiwillige Arbeit. Die Gründe sind unterschiedlich. Manche wollen einfach etwas Gutes tun. Andere möchten Menschen kennenlernen. Ich möchte in erster Linie anderen Menschen helfen und etwas Sinnvolles machen. Und ich möchte mich auch selber dadurch gut fühlen, das gebe ich gerne zu. Schon im Mittelalter gab es Menschen, die Kranken geholfen haben oder Essen verteilt haben. Später entstanden dann Vereine – zum Beispiel Sportvereine oder Freiwillige Feuerwehren. Zu Vereinen gibt es auch eine Episode Slow German, denn es gibt wenige Dinge die so Deutsch sind wie Vereine. Vereine leben vom Engagement der Mitglieder. Auch heute noch ist die Freiwillige Feuerwehr in vielen kleinen Städten und Dörfern sehr wichtig. Dort gibt es keine Berufsfeuerwehr. Wenn es brennt, kommen die Nachbarn – freiwillig. Was mich auf die Idee bringt, dass das auch ein gutes Thema wäre für Slow German. Es gibt so viel zu tun! Ein bekanntes Beispiel für freiwilliges Engagement ist das Technische Hilfswerk, kurz THW. Dort helfen Ehrenamtliche bei Katastrophen – zum Beispiel bei Überschwemmungen oder nach Stürmen. Das THW ist in ganz Deutschland aktiv und auch im Ausland. Die Ausbildung dort ist professionell. Viele Menschen machen das neben ihrem Beruf. Sogar Jugendliche helfen beim THW mit, für sie gibt es extra Kurse, in denen sie viele nützliche Dinge lernen, zum Beispiel wie man Erste Hilfe leistet. Mein Sohn hat das eine Zeit lang gemacht. Er musste dann am Samstag sehr früh aufstehen und hat beim THW zum Beispiel gelernt, wie man bestimmte Knoten knüpft. Sehr viele Menschen helfen auch bei den sogenannten „Tafeln“. Das sind Organisationen, die Lebensmittel retten. Supermärkte geben den Tafeln Lebensmittel, die noch gut, aber nicht mehr verkäuflich sind. Freiwillige sortieren die Ware und geben sie an Menschen mit wenig Geld weiter. In Deutschland gibt es über 900 Tafeln, und sie helfen regelmäßig über zwei Millionen Menschen. Ohne Ehrenamtliche wäre das nicht möglich. Oft wird allerdings kritisiert, dass die Ehrenamtlichen hier eine Aufgabe übernehmen, die eigentlich der Staat ausfüllen sollte. Ein etwas anderer Bereich ist das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ. Junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren können ein Jahr lang in sozialen Einrichtungen arbeiten – zum Beispiel in einem Krankenhaus, im Kindergarten oder im Altenheim. Sie bekommen dafür ein kleines Taschengeld, aber keine richtige Bezahlung. Das FSJ ist für viele eine gute Möglichkeit, sich nach der Schule zu orientieren. Man kann dabei Berufe kennenlernen, Menschen helfen und wichtige Erfahrungen sammeln. Es gibt auch das FÖJ – das Freiwillige Ökologische Jahr, bei dem man zum Beispiel in einem Nationalpark arbeitet oder beim Umweltschutz hilft. In vielen Städten gibt es auch Ehrenamtsbörsen oder Freiwilligenagenturen. Dort kann man sich informieren, wo Hilfe gebraucht wird. Schön finde ich die sogenannte Nachbarschaftshilfe, wo man sich gegenseitig unterstützt. Da kann dann ein Teenager zum Beispiel für eine ältere Dame nebenan einkaufen gehen oder mit deren Hund spazieren gehen. Manche Menschen helfen regelmäßig, andere nur manchmal, zum Beispiel bei einem Fest oder bei einer Spendenaktion. Es gibt wie gesagt auch Online-Plattformen, wo man Projekte findet, bei denen man mitmachen kann. Ehrenamt findet überall statt: beim Sport, in der Kirche, in der Schule oder bei kulturellen Veranstaltungen. Auch im Bereich der Flüchtlingshilfe engagieren sich viele Menschen. Als im Jahr 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, haben hier tausende Menschen geholfen: Sie haben Sprachkurse gegeben, Kleidung gesammelt oder die neu angekommenen Menschen bei Behördengängen begleitet. Ich fand das damals sehr rührend, dass viele Menschen so hilfsbereit waren. Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Ehrenamt braucht Zeit. Manche Menschen arbeiten viel und haben keine Energie mehr, um sich zu engagieren. Viele Menschen sind auch einfach introvertiert und tun sich schwer damit, aktiv auf andere zuzugehen. Wieder andere wissen nicht, wie sie helfen können oder haben Angst, etwas falsch zu machen. Deshalb ist gute Organisation wichtig. Viele Initiativen bieten Schulungen und Treffen an, damit sich neue Helfer gut zurechtfinden. Und die höchste Ehrung für ein Ehrenamt ist das Bundesverdienstkreuz. Im September 2024 hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser diesen Orden an 16 Menschen verliehen, die sich in Deutschland besonders engagiert hatten. Sie sagte damals: "Das Ehrenamt knüpft ein Band des Miteinanders, das unsere Gesellschaft verbindet und stärker macht. Anderen zu helfen und selbst auf Unterstützung bauen zu können, das schafft Vertrauen und Zusammenhalt. Und vieles wäre ohne den persönlichen Einsatz der Freiwilligen nicht möglich. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Demokratie." Hast du schon einmal ehrenamtlich gearbeitet? Schreib es gerne in die Kommentare! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg304kurz.pdf | 10m 47s | ||||||
| 8/5/25 | Wohnen in Deutschland – SG 303 | In Deutschland ist das Thema Wohnen sehr wichtig. Es ist auch ein großes Gesprächsthema im Alltag. Viele Menschen sprechen darüber, wie viel Miete sie zahlen oder wie schwer es ist, eine Wohnung zu finden. Besonders in großen Städten wie Berlin, München oder Hamburg ist es schwierig. Die Mieten sind dort in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Man spricht von einer Immobilienkrise oder auch von Wohnungsnot. Das bedeutet: Es gibt zu wenige Wohnungen, aber sehr viele Menschen, die eine suchen. In Deutschland wohnen die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Manche leben alleine, andere in einer Familie. Viele junge Leute wohnen in einer WG, also in einer Wohngemeinschaft. Das heißt, sie teilen sich eine Wohnung mit anderen. Jede Person hat ein eigenes Zimmer, aber Küche und Bad werden gemeinsam benutzt. Das ist oft günstiger als eine eigene Wohnung, besonders für Studierende. WG-Leben kann aber auch anstrengend sein – zum Beispiel, wenn jemand nie den Müll rausbringt oder laut Musik hört. Wer mehr Geld hat, mietet eine eigene Wohnung oder kauft sogar ein Haus. Ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung ist für viele Deutsche ein Traum. Man sagt: „Einmal im Leben ein eigenes Haus.“ Aber dieser Traum wird für viele Menschen immer schwieriger. Die Preise für Häuser und Wohnungen sind sehr hoch. Auch ein Kredit von der Bank ist nicht mehr so leicht zu bekommen wie früher. Deshalb wohnen viele Menschen zur Miete. Deutschland ist ein Land, in dem viele Menschen Mieter sind. In anderen Ländern, zum Beispiel in Spanien oder Italien, ist es normaler, dass man eine eigene Wohnung besitzt. Pro Person stehen uns hier im Land knapp 55 Quadratmeter zur Verfügung. Wenn man eine Wohnung mietet, muss man einen Mietvertrag unterschreiben. In diesem Vertrag steht alles, was wichtig ist: die Höhe der Miete, die Nebenkosten, die Kündigungsfrist. Es steht auch drin, ob Haustiere erlaubt sind oder ob man die Wände streichen muss, wenn man auszieht. Die meisten Mietverträge in Deutschland sind unbefristet, das heißt: Man kann so lange bleiben, wie man will – solange man die Miete zahlt und sich an die Regeln hält. In fast jedem Mietshaus gibt es auch eine Hausordnung. Das ist eine Liste mit Regeln. Zum Beispiel steht da, wann man ruhig sein muss – in der Regel zwischen 22 Uhr und 7 Uhr morgens. Das nennt man „Nachtruhe“. Auch das Putzen des Treppenhauses kann in der Hausordnung stehen. In manchen Häusern muss jede Partei einmal pro Woche das Treppenhaus putzen. Das sorgt manchmal für Streit. Wer hat geputzt, wer nicht? Manche Mieter hängen sogar Listen auf, damit jeder sieht, wer dran ist. Die Wohnung selbst ist für viele Menschen ein wichtiger Ort. Die Einrichtung zeigt, wie jemand lebt und was ihm oder ihr gefällt. In Deutschland mögen viele Leute Möbel von IKEA. Es gibt sogar ein Wort dafür: „IKEA-Wohnung“. Das bedeutet, dass alles gleich aussieht, weil viele die gleichen Möbel haben. Andere bevorzugen „Vintage“-Möbel vom Flohmarkt oder sehr modernes Design. Pflanzen, Kerzen und kleine Teppiche gehören fast immer dazu. Auch das Sofa ist wichtig – dort verbringt man viel Zeit. Ein interessanter Fakt: In Deutschland ist es normal, dass eine Mietwohnung leer ist, wenn man sie bekommt. Oft gibt es nicht einmal eine Küche! Das ist für viele Menschen aus anderen Ländern sehr überraschend. Wer in eine Wohnung einzieht, muss manchmal Herd, Spüle und Kühlschrank selbst mitbringen. Manche Menschen verkaufen ihre Küche an den nächsten Mieter, wenn sie ausziehen. Das Statistische Bundesamt hat festgestellt, dass die Menschen in Deutschland im Durchschnitt ein Drittel ihres Einkommens für die Miete ausgeben. In manchen Städten ist es noch viel mehr. Die teuerste Stadt in Deutschland ist leider die Stadt in der ich lebe, München. Hier zahlt man im Schnitt 22 Euro pro Quadratmeter. Dann kommen in der Liste Frankfurt am Main und Berlin, Hamburg und Stuttgart. Damit die Mieten nicht immer weiter steigen, hat die Politik die sogenannte Mietpreisbremse eingeführt. Denn auch Bundeskanzler Merz hat erkannt, dass bezahlbares Wohnen „eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit“ ist. Das hat er in seiner Regierungserklärung im Mai 2025 gesagt. Und so geht die Mietpreisbremse: Die Landesregierung, also zum Beispiel Bayern, kann sagen: Das hier ist ein Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt. Und wenn ich dann in dieser Zone einen neuen Mietvertrag unterschreibe, dann darf die Miete höchstens zehn Prozent über der sogenannten ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Das klingt kompliziert, aber es soll einfach dazu dienen, dass die Mieten nicht mit jedem neuen Mieter stark angehoben werden. So ist es nämlich leider momentan in vielen Fällen. Daher können sich dann nur noch gut verdienende Menschen die Mieten in Innenstädten leisten, für Rentner oder zum Beispiel auch Krankenschwestern oder Erzieherinnen ist es zu teuer. Und warum ist das Wohnen in Deutschland heute so teuer? Es gibt mehrere Gründe. Erstens: In vielen Städten gibt es nicht genug Wohnungen für alle. Besonders in Großstädte zieht es viele Menschen – wegen der Arbeit, dem Studium oder weil das Leben dort spannender ist. In München zum Beispiel haben sich viele große Firmen angesiedelt wie Google, Apple oder Microsoft. All diese Menschen brauchen Wohnungen. Zweitens: Die Preise für Baumaterial sind gestiegen. Das heißt, neue Wohnungen zu bauen, kostet mehr Geld. Es bauen auch immer weniger Menschen eigene Häuser oder Wohnungen, weil die derzeitige Weltlage es schwierig macht. Alles ist sehr teuer geworden. Und drittens: Investoren kaufen Wohnungen oder ganze Häuser, um damit Geld zu verdienen. Sie machen aus normalen Wohnungen „Luxuswohnungen“ – und verlangen dann sehr hohe Mieten. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg303kurz.pdf | 9m 15s | ||||||
| 7/22/25 | Das Tierheim in Deutschland – SG 302 | In Deutschland gibt es viele Tierheime. Ein Tierheim ist ein Ort, an dem Tiere leben, die kein Zuhause mehr haben. Diese Tiere werden dort versorgt, bekommen Futter, medizinische Hilfe und Zuwendung. Die meisten Tierheime kümmern sich um Hunde und Katzen. Aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Schildkröten oder sogar Schlangen finden dort ein neues Zuhause – zumindest vorübergehend. Die Idee von Tierheimen ist nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland Menschen, die sich für Tiere eingesetzt haben. Der Tierschutzverein München wurde zum Beispiel im Jahr 1842 gegründet. Es war einer der ersten Vereine dieser Art in Europa. Damals lebten viele Tiere auf der Straße oder wurden schlecht behandelt. Die Menschen begannen, sich zu fragen: Wer hilft eigentlich diesen Tieren? Heute gibt es in Deutschland über 500 Tierheime. Die meisten gehören zum Deutschen Tierschutzbund, einem großen Dachverband. Dieser Verband unterstützt die Tierheime mit Wissen, Beratung und manchmal auch mit Geld. Die Tierheime selbst bekommen aber meistens keine regelmäßige Hilfe vom Staat. Sie leben von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und von kleinen Gebühren, die Menschen zahlen, wenn sie ein Tier adoptieren. Viele Tiere kommen ins Tierheim, weil ihre Besitzer sie nicht mehr halten können oder wollen. Manchmal liegt es daran, dass jemand umzieht und das Tier nicht mitnehmen kann. Oder eine Person wird krank oder stirbt, und es gibt niemanden, der sich um das Tier kümmert. Auch Tiere aus schlechter Haltung oder von der Straße werden oft im Tierheim aufgenommen. Besonders nach Weihnachten haben viele Heime viel zu tun – weil Menschen Tiere verschenken und später merken, dass das keine gute Idee war. Alle Tiere, die keinen Besitzer haben, landen im Tierheim. Streunende Hunde gibt es in Deutschland nicht. In einem Tierheim arbeiten oft Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Sie kümmern sich um die Tiere, reinigen die Käfige und Gehege, geben Futter und gehen mit den Hunden Gassi. Auch Tierärzte kommen regelmäßig, um kranke Tiere zu behandeln oder sie zu impfen. Viele Tierheime bekommen Hilfe von Ehrenamtlichen. Das sind Menschen, die freiwillig helfen – zum Beispiel beim Spazierengehen mit Hunden oder beim Spielen mit Katzen. Im Münchner Tierheim können auch Kinder helfen, indem sie den Katzen vorlesen. Das hilft beiden: die Kinder bekommen Selbstbewusstsein durch ihr lautes Lesen und die Katzen sind nicht allein. Ein großes Problem für viele Tierheime ist das Geld. Die Pflege von Tieren kostet viel. Futter, Impfungen, Operationen, Strom, Wasser – all das muss bezahlt werden. Deshalb machen viele Heime Aktionen, um Spenden zu sammeln. Manche veranstalten Flohmärkte oder einen „Tag der offenen Tür“, bei denen Besucher das Heim anschauen können. Andere posten süße Tierfotos im Internet, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Manchmal wird ein Tier so berühmt, dass es besonders schnell ein neues Zuhause findet. Im Tierheim München spenden Freiwillige Kuchen, die dann vor Ort verkauft werden. So bekommt das Tierheim ein wenig Geld. In den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Immer mehr Menschen denken über Tierschutz nach. Viele adoptieren lieber ein Tier aus dem Heim, statt eines vom Züchter oder aus dem Ausland zu kaufen. Das ist gut für die Tierheime. Aber es gibt auch neue Probleme: Während der Corona-Pandemie wollten viele Menschen plötzlich ein Haustier. Sie waren viel zu Hause und dachten, es wäre schön, einen Hund oder eine Katze zu haben. Doch nach der Pandemie gaben viele ihre Tiere wieder ab – weil sie keine Zeit mehr hatten oder die Tiere doch zu anstrengend waren. Die Folge: Viele Tierheime sind heute überfüllt. Einige Tiere bleiben sehr lange im Tierheim. Besonders ältere Tiere oder solche mit gesundheitlichen Problemen haben es schwer, ein neues Zuhause zu finden. Auch Tiere mit schlechtem Verhalten – etwa Hunde, die Angst haben oder aggressiv sind – warten oft viele Monate oder sogar Jahre. In Deutschland dürfen Tiere in Tierheimen grundsätzlich nicht einfach so getötet werden, wie es in manchen anderen Ländern der Fall ist. Das regelt das Tierschutzgesetz. Laut diesem Gesetz ist es verboten, ein Tier ohne „vernünftigen Grund“ zu töten. Ein „vernünftiger Grund“ kann zum Beispiel sein, dass das Tier sehr krank ist und leidet. Oder dass das Tier gefährlich ist, etwa ein Hund, der Menschen oder andere Tiere angreift – aber auch dann muss ein Gutachten vorliegen. Platzmangel, Alter oder langes Warten auf ein Zuhause sind kein Grund, ein Tier einzuschläfern. Das ist ein großer Unterschied zu Ländern wie zum Beispiel den USA oder Rumänien, wo Tiere in sogenannten „Kill Shelters“ nach einer bestimmten Zeit getötet werden können, wenn sie nicht adoptiert werden. In deutschen Tierheimen bleiben Tiere im Prinzip so lange, bis sie ein neues Zuhause finden – auch wenn das manchmal Jahre dauern kann. Es gibt viele Fälle von Hunden oder Katzen, die erst nach sehr langer Zeit adoptiert werden. Die Tierheime versuchen, mit Training und Geduld auch schwierigen Tieren eine Chance zu geben.Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg302kurz.pdf | 9m 09s | ||||||
| 7/8/25 | Das Dirndl und die Tracht – SG 301 | Das Dirndl ist ein traditionelles Kleid für Frauen aus dem Süden von Deutschland, besonders aus Bayern. Aber es ist auch in Österreich zu finden. Es besteht aus einem Kleid, einer Schürze und einer Bluse. Die Farben und Muster sind oft sehr bunt und schön. Das Dirndl ist heute ein Symbol für die bayerische Kultur. Viele Menschen tragen es zum Beispiel auf dem Oktoberfest. Aber das war nicht immer so. Früher war das Dirndl ein Arbeitskleid. Im 19. Jahrhundert trugen es Dienstmädchen und Bäuerinnen auf dem Land. Der Name „Dirndl“ kommt vom bayerischen Wort für Mädchen. Eigentlich hieß das Kleid „Dirndlgewand“, also das Gewand oder Kleid der Dirn, also des Mädchens. Später sagte man nur noch „Dirndl“. Das Dirndl war praktisch. Die Frauen konnten darin gut arbeiten. Es war einfach zu nähen, und man konnte es waschen. Die Schürze schützte das Kleid vor Schmutz. Je nach Region und Arbeit sahen die Kleider unterschiedlich aus. In den Bergen waren sie oft aus Wolle. Im Flachland eher aus Baumwolle oder Leinen. Im Laufe der Zeit wurde das Dirndl nicht nur für die Arbeit genutzt. Reiche Menschen aus der Stadt entdeckten es für sich. Um 1900 fuhren sie in den Urlaub in die Alpen. Dort wollten sie auch so aussehen wie die Leute auf dem Land. Aber natürlich trugen sie feinere Stoffe und schöne Stickereien. Das einstige Arbeitskleid wurde plötzlich modisch. Und das ist kein Wunder, denn es betont die Figur der Frau. Das Dekolleté wird durch die Bluse und das geschnürte Mieder schön präsentiert. Die Taille durch die Schürze. Und die Beine sind unter dem weiten Rock versteckt. In der Zeit des Nationalsozialismus bekam die Tracht, also die traditionelle Kleidung, eine neue Bedeutung. Die Nazis förderten die Trachtenkultur. Sie wollten damit die „deutsche Volkskultur“ zeigen. Das Dirndl wurde zu einem Symbol für die „deutsche Frau“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es deshalb eine Zeit lang nicht sehr beliebt. Erst später kam es zurück – als Zeichen der regionalen Identität. Besonders in Bayern ist das Trachtenkleid heute wieder sehr beliebt. Auf dem Oktoberfest in München tragen es viele Frauen. Es gibt dort sogar Wettbewerbe, bei denen das schönste Kleid gewählt wird. Auch Männer tragen auf dem Oktoberfest traditionelle Kleidung – die Lederhose. Lustig ist, dass manche dieser Menschen, die wie absolute Einheimische aussehen, zum Beispiel japanische oder australische Touristen sind, die sich für diesen Oktoberfestbesuch neu eingekleidet haben. Es wird in München viel darüber diskutiert, ob das gut ist oder nicht. Sollen nur Menschen eine Tracht tragen, die auch aus der Region stammen oder dort leben? Übrigens verbirgt sich hinter dem Dirndl auch eine eigene Sprache. Die Position der Schleife auf der Schürze zeigt, ob eine Frau Single ist oder nicht. Wenn die Schleife rechts gebunden ist, heißt das: vergeben oder verheiratet. Links bedeutet: Single. In der Mitte kann heißen: Jungfrau oder unentschlossen. Und hinten? Früher trugen Witwen oder Kellnerinnen die Schleife hinten. Manche Dirndl kosten übrigens über 1.000 Euro. Sie sind handgenäht und aus hochwertigen Stoffen. Es gibt aber auch günstigere Varianten für unter 100 Euro. Rund um das Oktoberfest gibt es viele Pop-Up-Läden, die extra günstige Tracht an Touristen verkaufen. Auch die Haare und der Schmuck gehören zum Trachten-Look. Viele Frauen flechten ihre Haare oder tragen einen Blumenkranz. Beliebt sind auch sogenannte „Charivaris“ – das sind silberne Ketten mit Anhängern, die oft aus Tierzähnen oder kleinen Münzen bestehen. Früher war das ein Schmuck für Männer, heute tragen ihn auch Frauen. Und der Stil? Manche Kleider sind sehr traditionell. Sie folgen den alten Mustern und Regeln einer bestimmten Region. Diese nennt man dann „Trachtendirndl“. Andere sind modern und kurz, in grellen Farben oder sogar mit Glitzer. Es gibt sogar Dirndl mit Leopardenmuster. Und wie ist es hier in München? Die meisten meiner Freundinnen haben mindestens ein Dirndl im Schrank. Sie tragen es nicht nur zum Oktoberfest, sondern zum Beispiel auch, wenn sie auf Hochzeiten oder andere Feste eingeladen sind. Oft wird die Tracht auf Einladungen sogar explizit gewünscht. Ich selber hatte seit meiner Kindheit kein Dirndl an. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg301kurz.pdf | 7m 27s | ||||||
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