
Geist.Zeit
«Geist.Zeit»: Der Titel bringt auf den Punkt, was Theologie spannend macht. Geist zeichnet den Menschen und seine Zeit aus. Gott ist Geist, heisst es zugleich in der Bibel. Theologie ist Rede von Gott. Wenn es um Gott ge...
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| 10/25/26 | Jahreslosung 2027: «Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir» | «Fürchte dich nicht!» Hat ein Bibelvers je so unmittelbar in unsere Zeit gepasst wie dieser ? In dieser Podcast-Folge zur Jahreslosung lassen sich Thorsten und Andi auf die Frage ein, was dieser Vers aus dem Jesajabuch heute für uns bedeuten kann. Ängste haben eine Geschichte Zuerst fragen sie nach der grundsätzlichen Bedeutung von Angst in der Geschichte und heute. Angst gehört zum Menschsein. Doch wovor wir uns fürchten, wie wir darüber sprechen und welche Ängste öffentlich Gehör finden, verändert sich. In den letzten Jahren sind in Europa Ängste, die als überwunden galten, zurückgekehrt. Etwa die Angst vor Krieg oder Seuchen. Zugleich entstehen neue, etwa angesichts rasanter technischer Entwicklungen oder der Klimakrise. Leben wir in einem neuen Zeitalter der Angst? Mit Angst einen guten Umgang zu finden, ist eine Herausforderung für uns alle. Ängste lassen sich schüren und politisch bewirtschaften. Und das ist nicht zuletzt gegenwärtig eine erhebliche Herausforderung. Trost für ein verunsichertes Volk Danach dreht sich alles um den Vers der Jahreslosung. Er ist ursprünglich ein prophetisches Wort für das Volk Israel im babylonischen Exil, im 6. Jahrhundert vor Christus. Jerusalem und der Tempel sind zerstört, Menschen wurden verschleppt. Israel erlebt sich als Spielball der Grossmächte. Mit der Heimat ist auch die Gewissheit erschüttert, dass Gott sein Volk schützt. In diese Verunsicherung hinein erklingt die Jahreslosung. Ihr «Fürchte dich nicht» steht unter der grossen Überschrift dieses Teils des Jesajabuchs: «Tröstet mein Volk!» In der Eroberung des babylonischen Reiches durch den Perserkönig Kyros erkennt der Prophet ein neues Handeln Gottes in dieser Zeit: Das Exil geht zu Ende, für Israel eröffnet sich eine neue Hoffnung in der Heimat. Ein Gott und eine Menschheit Mitten in der politischen Ohnmacht gewinnt eine vertiefte Gotteserkenntnis Gestalt: Die Götter, mit denen die Grossreiche ihre Herrschaft rechtfertigen, sind Menschenwerk. Der Gott Israels ist der Schöpfer aller Menschen. Damit öffnet sich ein Horizont, der über die Rettung des eigenen Volkes hinausreicht. Gott ist der Gott aller Menschen. Die angsterprobte Liebe Gottes ist glaubwürdig Genauso aufregend wie der entstandene Monotheismus ist die dramatische Liebesgeschichte zwischen Gott und seinem Volk. Andi und Thorsten zeigen, wie Gott sich seine Liebe zu Israel immer wieder abringen muss, wie er dabei selbst Ängste erfährt und durchlebt. Weil der Gott des christlichen Glaubens angsterprobte Liebe ist, ist sein «fürchte dich nicht, hab keine Angst» zutiefst glaubwürdig, Das Dossier zur Jahreslosung findest Du hier: https://fokustheologie.ch/stoffwelten-dossiers/jahreslosung2027/ | 1h 13m 02s | ||||||
| 10/11/26 | Kirchenkritik - billig und recht | Kritik an der Kirche - da gibt es angemessene und nötige Formen, aber auch billige, in denen Klischees und Falschinformationen volkssportmässig weitererzählt werden. Thorsten und Andi haben sich vier Beispiele ausgesucht und stellen dabei fest: Es lohnt sich, auch in den schrillen Tönen die Berechtigung und die Korrekturkraft von Kirchenkritik nicht zu überhören. Und manchmal braucht es schlicht Aufklärung und Fakten zur Gegenkritik. Los geht's mit dem Vorwurf, dass die Kirche zur Institution erstarrt ist. Eine Kritik, die stark von innerhalb der Kirche kommt, wie sich am Beispiel des reformierten Theologen Emil Brunner zeigt. Ohne spirituelle Dynamik, Bewegung und Gemeinschaft hat Kirche als Institution kaum noch Chancen. Umgekehrt aber auch, denn Institutionen haben wichtige Funktionen. Weiter geht's mit dem Vorwurf, dass die Kirche als Staatskirche üblen Glaubenszwang ausgeübt hat. Leider ja, aber die Entwicklung von Religions- und Glaubensfreiheit ist ein langer, verwickelter Prozess gewesen. Drittes Beispiel ist die Hexenverfolgung. Hier zeigt sich die Kirche - wie so oft - als notorische Verbrecherin. Aber war es nicht vor allem der Aberglaube, der ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Gesellschaft und richterlicher Obrigkeit zu den Gräueln führte? Schliesslich geht es um die wissenschaftsfeindliche Kirche. Auch diese Kritik wird billig, wenn übersehen wird, wie der jüdisch-christliche Glaube moderne Naturwissenschaft ermöglich hat. Eine Podcastfolge für alle, die sich fragen: Was ist gute kirchliche Kritikfähigkeit, und wie kann man billige Kritik abwehren ohne billige Apologetik zu betreiben? Tipp: Wenn Du auf reflab.ch in der Suchfunktion das Stichwort «Kirchenkritik» oder «Religionskritik» eingibst, findest Du viele passende Beiträge. Literaturtipp: Für gute Aufklärung in Sachen "Kirche und Gewalt" lohnt sich das Buch von Arnold Angenendt: Toleranz und Gewalt : das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster 2009. | 1h 13m 32s | ||||||
| 9/27/26 | Kirche, was willst Du mal werden, wenn Du klein bist? | In dieser Folge von Geist.Zeit sprechen Andi und Thorsten mit Rita Famos, der Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Zuerst geht es um Rita Famos selbst: Wie führte ihr Weg als Pfarrerin und Seelsorgerin an die Spitze der EKS? Ist sie so etwas wie die Bischöfin der Schweizer Reformierten? Und was bedeutet es, als Frau in einer lange von Männern geprägten Kirche Leitung zu übernehmen? Ihr Buch «Leadership. Weibliche Perspektiven» (2026) gibt Anlass, über die Frauen-Kirche-Bewegung und überhaupt eine Geschichte der Transformation zu sprechen, auf welche die reformierte Kirche stolz sein kann. Denn die Kirche hat sich gerade nicht einem veränderten Zeitgeist angepasst; teilweise ging sie ihm voraus und hat ihn zumindest ein wenig mitgeprägt. Zugleich formulieren wir im Podcast auch kritische Fragen, die Menschen zur Kirche haben. Hat die reformierte Kirche ihre Mission aus dem Blick verloren, weil sie vor allem gesellschaftlich relevant sein will? Muss sie nicht neu lernen, Glauben und Spiritualität der Mitglieder nicht nur vorauszusetzen, sondern anzuregen und zu fördern? Oft behauptet wird auch: die Kirche ist zu politisch. Statt in Glaubensfragen deutliche Impulse zu setzen und in der Politik die Vielfalt der Mitglieder und ihrer Überzeugungen zu respektieren, mache die Kirche es scheinbar umgekehrt; sie bekenne Farbe in politischen Debatten – und betont Vielfalt in Glaubensüberzeugungen. Rita Famos kann solche Kritik verstehen und betont zugleich: Wir geben als Kirche nie politische Positionen vor. Wir melden uns zu Wort mit Kritik, mit Argumenten und Abwägungen, nicht um zu bevormunden, sondern um zur Auseinandersetzung und zum mündigen Urteilen zu ermutigen. Kritik und Auseinandersetzung braucht die Kirche auch mit ihrer eigenen Geschichte. Rita Famos erzählt von ihrer eigenen Entdeckung, dass Reformierten Kirche heute Verantwortung für sexualisierte Gewalt in ihrer Geschichte übernehmen muss. Am Ende kehren Andi und Thorsten zur Ausgangsfrage zurück: Wer sind wir als Kirche, jetzt schon und auch in Zukunft? Mit Rita Famos suchen sie nach einer Vision für eine Kirche, die nur quantitativ kleiner wird – und ihre wahre Grösse auch in anderer und neuer Gestalt zeigen kann. Link zum Buch: https://www.tvz-verlag.ch/buch/leadership-9783290187811/?page_id=1 | 1h 11m 38s | ||||||
| 9/13/26 | Was ist Kirche? Basics zum Mitreden | Wer beim Thema «Kirche» mitreden will, sollte wenigstens ein paar Basics kennen. Thorsten und Andi starten aber nicht mit theologischen Basisinformationen, sondern mit einer soziologischen Perspektive von Aussen, die zum Staunen anregt: Wie kam es, dass unter den Religionen nur das Christentum so etwas wie eine Kirche hervorgebracht hat? Und wie erklärt sich die mittlerweile fast 2000 Jahre dauernde Tradition der christlichen Kirche? Die beiden Podcaster knüpfen an zentrale Ideen des Sozialphilosophen Hans Joas an: Kirche entsteht, damit gemachte religiöse Erfahrungen erinnert, ermöglicht und weitergegeben werden können. Bewahrt wird damit auch das Ethos einer universalistischen Moral und ihre Ideale wie Menschenwürde und Gewaltlosigkeit. Die Institution Kirche ist die soziale Form, in der diese Ideale gepflegt und tradiert werden, auch gegen Widerstand von innen und aussen. Im zweiten Teil des Podcast geht es um die grossen Unterschiede zwischen den Kirchenfamilien. Andi und Thorsten geben einen gerafften Überblick über das Kirchenverständnis der römisch-katholischen, orthodoxen, der reformatorischen Kirchen und auch der Pfingtskirchen und charismatisch orientierten Freikirchen. Danach widmen sich die beiden Podcaster den klassischen Eigenschaften von Kirche: Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität. Dabei wird deutlich: Die empirische Kirche hinkt hinter diesen Idealen her. Kirche glaubt nicht nur, sie wird auch geglaubt. Inwiefern ist diese Unterscheidung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Kirche hilfreich, ab wann verkommt sie zu einer fragwürdigen Selbstrechtfertigung? Am Ende stellen Andi und Thorsten fest: Es gibt richtig gute Gründe, neugierig und staunend zu fragen, was Kirche ist. Einseitig progressive oder konservative Haltungen verfehlen den Reichtum der kirchlichen Tradition bzw. ihre Kraft zu immer neuen Veränderungen. | 1h 14m 38s | ||||||
| 8/30/26 | churchspirituality+4 | — | Ernst Troeltschs | — | churchspirituality+5 | — | 1h 10m 37s | ||
| 7/12/26 | Bibelhistorisches Verstehen+5 | — | — | — | Bibelhistorisches Verstehen+5 | — | 1h 12m 28s | ||
| 7/5/26 | digital transformationartificial intelligence+3 | Thomas Schlag | Universität Zürichrömisch-katholischen Kirche+1 | — | digital changecommunication habits+3 | — | 1h 13m 49s | ||
| 6/21/26 | Altes TestamentGewalttexte+4 | Sonja Ammann | Uni Basel | — | Altes TestamentGewalt+5 | — | 1h 12m 41s | ||
| 6/7/26 | BibelPraktische Theologie+3 | Ralph Kunz | — | — | Bibelchristlicher Glaube+4 | — | 1h 10m 28s | ||
| 5/24/26 | Jesus-BotKI-Experiment+4 | Christina Aus der Au | RefLabFokus Theologie | — | JesusKI+5 | — | 58m 35s | ||
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| 5/10/26 | Bibelhistorische Fakten+4 | Moises Mayordomo | Die BibelOffenbarung des Johannes | — | Bibelhistorisch+6 | — | 1h 09m 58s | ||
| 4/26/26 | ChristianityJudaism+4 | Tania Oldenhage | Else Lasker-Schüler und der Flüchtlingssonntag | — | BibleChristianity+8 | — | 1h 10m 03s | ||
| 4/12/26 | ethicsBible+3 | — | Bibel | — | Bibleethics+3 | — | 1h 13m 17s | ||
| 3/29/26 | ChristianityRoman Empire+3 | Benjamin Schliesser | Geist.ZeitChristentum | römischen Antike | ChristianityRoman Empire+4 | — | 1h 06m 54s | ||
| 3/15/26 | historical-critical methodChristian faith+3 | Jörg Frey | Universität Zürich | — | historical-critical methodChristian faith+3 | — | 1h 11m 30s | ||
| 3/1/26 | BibelReligion+4 | — | Jüdische Traditionkatholische Tradition+8 | — | BibelTradition+5 | — | 1h 15m 15s | ||
| 2/15/26 | BibelGlauben+3 | — | Bibel | — | BibelGlauben+5 | — | 1h 16m 22s | ||
| 2/1/26 | Friedrich NietzscheChristian faith+4 | Christiane Tietz | Evangelische Akademie Frankfurt | — | NietzscheChristianity+5 | — | 1h 06m 57s | ||
| 1/18/26 | Carel van Schaik: Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen | Dem Evolutionsbiologen Carel van Schaik ist es mit seinem Bestseller «Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät (mit Kai Michel)» gelungen, die Natur- und Kulturgeschichte des Menschen höchst anschaulich zu erschliessen und daraus sehr anregende Folgerungen für unser heutiges Menschenbild abzuleiten. In einem Live-Podcast in Münchenstein sprachen Andreas Loos und Thorsten Dietz mit ihm über sein jüngstes und hochaktuelles Buch: «Die Evolution der Gewalt. Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen» (zusammen mit Harald Meller und Kai Michel). Weit verbreitet ist der Mythos, das Gewalt und Krieg unlöslich mit der Menschheitsgeschichte verbunden seien. Auf Grundlage breiter Forschung zeigt der Zürcher Professor, dass sich dieses Bild nicht halten lässt. Kriege sind erst in den letzten Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte entstanden. Es ist nicht in uns veranlagt, dass wir Kriege führen müssen. Für den allergrössten Teil der Menschheitsgeschichte, als Menschen als Jäger:innen und Sammler:innen lebten, finden sich keine Spuren massenhafter Gewalt. Was bedeutet das für unser Bild vom Menschen? Im Gespräch führt Carel van Schaik ein in die Unterscheidung dreier Naturen des Menschen. Wir müssen zunächst zwischen der biologischen, der älteren Natur des Menschen, und der kulturellen, der jüngeren Natur des Menschen unterscheiden. Dann wird sichtbar: Gewalt ist eine Folge unserer jüngeren kulturellen Entwicklung. Darum ist diese Entwicklung kein Schicksal. Kraft ihrer dritten, der vernünftigen Natur, können Menschen sich kritisch zu ihrer eigenen Gewalttätigkeit verhalten. Für van Schaik sind die biblischen Texte aus dieser Perspektive überaus interessant. Vor allem in der Jesusbewegung sieht er eine Kritik menschlicher Gewalttätigkeit. In diesem jesuanischen Ethos der Gewaltlosigkeit und Feindesliebe könne man eine Anknüpfung an die besten Anlagen erkennen, die Menschen in ihrer langen Geschichte gezeigt haben: Ein Leben in Kooperation statt Konkurrenz, in Gemeinschaft und nicht in feindlichen Lagern. Wir danken Judith Borter und der Fachstelle Bildung und Diversität der Reformierten Kirche Baselland, dem Forum für Zeitfragen Basel sowie der Reformierten Kirche in Münchenstein für die Einladung und die Ausrichtung dieses Live-Podcasts. Literatur: Van Schaik, Carel/Michel, Kai: Mensch sein. Von der Evolution für die Zukunft lernen. Hamburg: Rowohlt Verlag 2023. Van Schaik, Carel/Michel, Kai: Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät. Hamburg: Rowohlt Verlag 2016 | 1h 05m 15s | ||||||
| 1/4/26 | Das Bekenntnis und die Freiheit | Wie spielen das Bekenntnis und die Freiheit im christlichen Glauben zusammen? Die reformierten Landeskirchen der Schweiz gehören zu den wenigen Kirchen, die weder in ihren Verfassungen noch in ihren Liturgien eine Verpflichtung auf ein Bekenntnis kennen. Was genau bedeutet diese Bekenntnisfreiheit? Ist sie überhaupt noch zeitgemäss? Mit diesen Fragen war Geist.Zeit am 13. September 2025 zu Gast auf dem grossen Kirchenfest der reformierten Kirche Aargau. Thorsten und Andi blenden zurück ins 19. Jahrhundert und erzählen die reformierte Freiheitsgeschichte des Glaubensbekenntnisses nach. Als sich die schweizerische Gesellschaft insgesamt demokratisierte, regte sich der Freiheitsdrang auch in der Kirche. Die staatskirchliche Bekenntnispflicht wurde aufgehoben. Autoritätskritisch befreite sich die Kirche von den Glaubensbekenntnissen, die je länger, je mehr als unzumutbar, zwingend und unterdrückend empfunden worden waren. So wichtig die Befreiung der Gläubigen von aufgezwungenen Bekenntnissen ist, kommt da nicht die Freiheit zu kurz, selbstbestimmt zu überlegen und auszudrücken, was gemeinsame Glaubensüberzeugungen sind? So fragen sich die beiden Podcaster und stellen fest, wie zeitgemäss unterschiedliche Formen des Bekennens in unserer Kultur sind. Wer bekennt, zeigt sich authentisch. Wer bekennt, zeigt sich loyal zu dem, was uns gemeinsam wichtig ist. Bekennen ist mehr als intellektuelle Zustimmung zu Dogmen. Bekennen ist Herzenssache. Ist die Zeit reif, das Bekennen als gegenwärtige Sprachform des Glaubens neu zu entdecken? Welche Initiativen gab es bereits innerhalb der reformierten Kirchen der Schweiz? Wie könnte ein Bekenntnis zum Himmel heute lauten, damit das Motto des Kirchenfestes lebendig und glaubhaft klingt: Wie im Himmel, so im Aargau? | 1h 01m 40s | ||||||
| 12/21/25 | Matthias Zeindler: Was ist reformierte Spiritualität? | Bunt ist die heutige Landschaft der Spiritualität, in und ausserhalb der Kirche. Gibt es in all den vielfältigen Angeboten der Gegenwart noch so etwas wie eine typisch reformierte Spiritualität? So fragen Andi und Thorsten ihren Gast für diese Folge, Prof. Matthias Zeindler, langjähriger Leiter der Abteilung Theologie der Reformierten Kirche Bern, Jura und Solothurn. Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, als wären die Reformatoren in der Schweiz vor allem Meister der Dekonstruktion gewesen: Unzählige Bilder und Skulpturen wurden zerstört. Abgeschafft wurden die Verehrung der Heiligen, Wallfahrten, Marienfrömmigkeit, Fastentage etc. In den reformierten Kirchen wurde die Frömmigkeit karg und nüchtern. Ja, so Matthias Zeindler: die Reformierten setzten auf eine Spiritualität der Andacht und der Konzentration. Die vermeintliche Leere der Kirchen schaffte Platz für das, worum es eigentlich geht: Die Gemeinschaft mit Christus und das Vertrauen auf Gott, für ein Leben in der Liebe Gottes, das sich in tätiger Hingabe im Alltag der Welt bewährt. Aber brauchen Menschen nicht auch praktische Hilfen, um ihren Glauben mit dem Lebens-Alltag bewusst zu verbinden? Dass die Reformierten an dieser Stelle wenig für notwendig erklärten, macht die Offenheit für individuelle und aktuelle Entwicklungen so typisch reformiert, so Zeindler. Weil es für Reformierte keine heiligen Orte, Zeiten und Praktiken gibt, sind sie frei, je nach Herausforderung Übungen und Wege zu finden, die den Glauben stärken: Immer neue Lieder und Musikstile, das Wort der Bibel in vielfältiger Gestalt, von der Losung am Morgen bis zum Gottesdienst mit seinen Gebeten und Predigten. | 1h 10m 48s | ||||||
| 12/7/25 | Luzia Sutter Rehmann: Feministische Spiritualität | Im Spektrum der Spiritualitäten dürfen die feministischen Farben nicht fehlen. Daher ist Luzia Sutter Rehmann in dieser Folge zu Gast. Die Titularprofessorin lehrt Neues Testament in Basel und macht gleich zu Beginn deutlich, wie grundlegend die Bibel für feministische Spiritualität ist. Sie zeigt, wie die biblischen Geschichten von Frauen uns heute Kraft und Sprache verleihen, genau hinzuschauen, realistisch in die Welt zu blicken, ohne dabei den Mut zu verlieren. Kritisch gegenüber jenen Mächten sein, die ein Interesse daran haben, dass alles so bleibt, wie es ist; Menschen auf ihre ausstehende Befreiung aufmerksam und neugierig machen – das sind die biblischen Grundzüge feministischer Spiritualität. Berührenden Tiefgang entwickelt das Gespräch dort, wo es um die Erfahrung des Sterbens und eine traumasensible Spiritualität geht. Was hilft eine feministische Leseart der Auferstehungsgeschichten, wenn wir heute trauern? Wer kam auf die Idee, mitten in den traumatischen Jahren nach der Zerstörung Jerusalems (70 n.Chr.) ein Markusevangelium zu schreiben? Wie können wir weiterleben, wenn alles zerstört ist? Schliesslich interessiert Thorsten und Andi, wie ihre Gästin aus einer feministischen Interpretation der Johannesoffenbarung eine apokalyptische und hoffnungsstiftende Spiritualität entwickelt. Was sind Drachen und Dämonen? Warum fällt die neue Schöpfung nicht aus heiterem Himmel in unseren Schoss? Und was hat es mit den gebärenden Kräften der Erde auf sich? Eine Geist.Zeit Folge voll feministischer Impulse für eine standhafte und beherzt zupackende Spiritualität. | 1h 09m 11s | ||||||
| 11/23/25 | Noa Zenger: Kontemplative Spiritualität | Seit Jahren geschieht das früher Unvorstellbare: Zunehmend gewinnen klassische katholische Formen der Spiritualität wie die Exerzitien der Jesuiten Zulauf auch bei Reformierten. Längst ist es auch für Protestanten selbstverständlich, Meditationsübungen zu machen, Kontemplation für sich zu entdecken und nach geistlicher Begleitung zu fragen. Andi und Thorsten reden mit Noa Zenger, reformierte Pfarrerin, geistliche Begleiterin und Anleiterin von Kontemplation. Sie lassen sich von ihr erzählen, wie sie selbst die Faszination klassischer Formen der Spiritualität entdeckt hat. Tatsächlich sind die Ursprünge solcher Übungswege oft sehr viel älter als die reformierte und die römisch-katholische Kirche. Stille und Selbsterfahrung, Begleitung auf geistlichen Wegen der Reifung und die Erfahrung der Gottesliebe sind in der Christentumsgeschichte immer wieder entdeckt worden. Wenn reformierte Gläubige heute danach fragen und zunehmend Angebote in anderen und auch in ihrer eigenen Kirche finden, dann entdecken sie ein reiches Erbe christlicher Frömmigkeit. Passt kontemplative Spiritualität denn zur reformierten Konzentration auf die Bibel? Ja, so Noa Zenger, im Schweigen frei und offen für neues Hören zu werden, das passt ausgezeichnet zur reformierten Betonung der Bibel und der Freiheit des Einzelnen. Das gilt auch für die neue Faszination, die das Fasten für viele hat. Es war eine urreformierte Handlung in Zwinglis Zürich, sich im Froschauer Wurstessen 1522 gegen den religiösen Zwang zum Fasten aufzulehnen. Zugleich ist das freiwillige Fasten schon immer Teil vieler religiöser Wege gewesen, auch im Judentum und Christentum. Fasten ist nicht nur aus gesundheitlichen Gründen eine Option. Auch die geistliche Entdeckung innerer Freiheit kann für viele Menschen eine grosse Bereicherung sein, auch in den reformierten Landeskirchen. | 1h 04m 55s | ||||||
| 11/9/25 | Jahreslosung 2026: «Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu» | Thorsten und Andi lassen die neue Jahreslosung 2026 sprechen. Wochenlang haben sie an den Worten aus der Johannesoffenbarung gearbeitet und eine Fülle an Impulsen, Ideen und Arbeitshilfen online gestellt. Ihre Begeisterung über die Botschaft von Gottes hoffnungsfroher Kreativität behalten sie nicht für sich. Die beiden Theologen nähern sich der Jahreslosung auf dem Weg eigener Erfahrungen. «Siehe, ich mache alles neu», das sind Kraftworte, die zunächst jenseits theologischer Reflexionen in ausweglosen Momenten tragen können. Von der Gegenwart geht es zurück in die Zeit gegen Ende des ersten Jahrhunderts, als der Seher Johannes die Worte der Jahreslosung kommunizierte. Sein Buch war Untergrundliteratur zum Widerstand gegen das mächtige Römische Reich und prophezeite dessen Untergang. Was will die Johannesapokalypse, was will sie nicht? Was ist die Faszination, die sie kulturgeschichtlich zum einflussreichsten Buch der Bibel machte? Leider wurde sie in der Geschichte des Christentums oft missverstanden als Endzeitfahrplan und missbraucht, um die Zeiger auf der Weltuntergangsuhr zu bestimmen. Andi und Thorsten versuchen, die Jahreslosung als Kriterium zu verstehen für das, was heute Hoffnung sein könnte. Denn das Neue ist genauso wie das Alte ein schillernder Begriff. Wie geht gutes Hoffen auf eine neue Welt jenseits von Erneuerungsfuror und Verklärung des Alten? Hoffnung stiften kann die Jahreslosung, weil Gottes Kreativität durch seine Liebe bestimmt ist. Sie erschafft weder willkürlich noch durch blinde Zerstörung, sondern zielt auf Kooperation mit allen Geschöpfen. Daraus ergeben sich neue Perspektiven auf die Art und Weise, wie Gott die Erde neu macht. | 1h 13m 27s | ||||||
| 10/26/25 | Lea Hümbeli: Ekstatische Spiritualität | Noch immer gehen manche davon aus, das Christentum befinde sich in einem Niedergang schrumpfender Mitgliedzahlen und sich leerender Kirchen. Weltweit gesehen stimmt das keineswegs. Das Christentum wächst. Vor allem eine Strömung wird immer grösser: Charismatische Bewegungen und Pfingstkirchen sind längst ein globales Massenphänomen, mit je nach Schätzung mit bis zu 600 Millionen Mitgliedern. Auch in Europa gibt es Zulauf, wenn auch in viel geringerem Masse als überall sonst. Die Gründe sind vielfältig. Nicht zuletzt dürfte es an der emotionalen und begeisterten Frömmigkeit liegen. Was ist das Geheimnis dieser Spiritualität der Ekstase? Darüber haben Andi und Thorsten mit der reformierten Theologin Lea Hümbeli gesprochen. Gemeinsam tragen sie Gründe zusammen, warum diese Art zu glauben für manche Menschen so anziehend ist. Charismatische Gottesdienste sind anders. Menschen, vor allem auch viele Jüngere, geniessen sie. Die Spiritualität bleibt nicht im Kopf. Sie durchdringt den ganzen Körper, entfacht tiefe Emotionen und wirkt wie ein Wärmestrom in der Kälte. Es werden aber auch Risiken und Gefährdungen diskutiert. Viele waren erstaunt, als sie sahen, wie stark die Stürmung des Kapitols am 06.01.2021 von solchen charismatischen Gruppen getragen war. In kaum einer religiösen Gruppe haben sich so viele als anfällig für christlichen Nationalismus erwiesen, z.B. auch in Brasilien. Woran kann das liegen? Was hilft gegen solche Versuchungen? Zuletzt führt das Gespräch zur Frage: Was könnten die Landeskirchen lernen? Was ist kulturelle Prägung, was Zeitstimmung, und was könnten geistliche Entdeckungen sein, die zumindest für manche eine Bereicherung wären? | 1h 10m 23s | ||||||
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